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Beziehung
Datum 08.11.2011 | Letzte Besucher  576451

Glück in der Beziehung

Was halt Paare zusammen? Ist’s Liebe oder sind’s die Kinder? Für das dauerhafte Glück in der Beziehung sind gemeinsame Lebensziele wichtig.

Barbara Keddi, wissenschaftliche Referentin am Deutschen Jugendinstitut in München, widerlegte in einer Studie herkommliche Rollenklischees: Die pauschale Annahme, dass Manner als Alleinverdiener und Frauen als Mutter und Hausfrau in der Beziehung  glücklich werden und diese Konstellation die ideale Basis für eine Partnerschaft abgebe, sei in Wirklichkeit nur eine von vielen Moglichkeiten.

Um genau herauszufinden, was Frauen und Manner in der Beziehung tatsachlich wollen, befragte Keddi sieben Jahre lang wiederholt 125 junge Paare über deren Lebensziele und dokumentierte, wie sie diese im Rahmen von Partnerschaft und Familie umsetzten.

Die Ergebnisse der Befragung müssen vor dem Hintergrund von drei grundsatzlichen Entwicklungen im Hinblick auf Ehe und Familiengründung gesehen werden:

  • Ehe und Familie werden in einem immer spateren Alter geschlossen und gegründet.
  • Im Verlauf eines Lebens werden mit einiger Wahrscheinlichkeit unterschiedliche Lebens- und Beziehungsformen eingegangen. Lebensformen wie "Living-apart-together" oder nichteheliche Lebensgemeinschaften werden haufig von Frauen mit einem hohen Bildungsstand gewahlt.
  • Die Art und Weise des Zusammenlebens mit Kindern in einer Beziehung ist vielfaltiger geworden. Im Zunehmen sind z. B. die sog. Patchworkfamilie.

 

Die Lebensziele – der rote Faden der Beziehung

Keddi konnte bei den Befragten acht unterschiedliche "Lebensthemen" ausfindig machen, die wider Erwarten von beiden Geschlechtern in gleichem AusmaSs verfolgt werden. Eine glückliche Beziehung, in der beide Partner die gleichen Lebensthemen verfolgen, sei nach Keddi sehr stabil. Gleiche Ziele bilden den "sozialen Kitt" der Partnerschaft, unterschiedliche Ziele sorgen dagegen immer wieder für Zündstoff und bedeuten meist auch das frühzeitige Ende der Beziehung.

Lebensziel "Familie"

Im Zentrum der Lebensplanung steht die Familiengründung, die erst erfolgt, wenn der ,Nestbau" abgeschlossen ist. Der Beruf wird hintangestellt, besonders von Seiten der Frau. Spatestens mit der Geburt des Kindes teilt sich die Welt dieser Paare endgültig auf. Der Partner wird zum Alleinverdiener und die Frau lebt die Rolle der Hausfrau und Mutter. Die Frauen sind in der Beziehung zwar mit der traditionellen Rollenaufteilung einverstanden, bemangeln aber dennoch, dass der Partner sich meist vollig aus Kinderbetreuung und Haushalt heraushalt.

Lebensziel "Doppelorientierung auf Familie und Beruf"

Der Beruf ist inhaltlich sehr wichtig, es besteht aber auch ein hoher Qualitatsanspruch an die Partnerschaft und eine Familiengründung ist wichtiger Bestandteil des künftigen Lebens. Manner beteiligen sich dabei an der Hausarbeit und Kindererziehung, die beruflichen Ambitionen ihrer Partnerin sind für sie selbstverstandlich. Freiraume und individuelle Interessen sind für das Glück in der Beziehung für beide Partner sehr wichtig.

Diese Paare sind offen für weitergehende Entwicklungen. Die mannlichen Partner wollen, anders als die Partner mit dem Lebensthema "Familie" eine Partnerin die selbststandig, interessant und ebenbürtig ist. Einige Partner sind auch bereit, sich aktiv am Erziehungsurlaub zu beteiligen, sind aber ziemlich sicher, dass es dadurch zu einem Einschnitt in ihrer Karriere kommen wird.

Lebensziel "Beruf"

Der berufliche Bereich strukturiert das Leben, alle anderen Lebensbereiche sind deutlich nachgereiht. Das bedeutet zwar nicht, dass Kinder ausgeschlossen sind, aber sie werden nicht von vornherein geplant. Bei diesem Paartypus schopfen beide Kraft aus ihrem Zusammenleben, um im Beruf das Optimale leisten zu konnen. Die gegenseitige Unterstützung der Partner in ihren beruflichen Angelegenheiten endet im privaten Bereich: Hausarbeit ist hier ausschlieSslich Sache der Frau.

Lebensziel "eigener Weg"

Beide wollen vor allem sich selbst verwirklichen und ihren individuellen Lebensweg finden. Bewusst stellt man kollektive Leitbilder oder Geschlechterrollen in Frage. Es besteht der Wunsch nach Unabhangigkeit in Beziehungen, man will sich nicht unterordnen müssen, das Leben soll SpaSs machen. Gegenseitige Unterstützung und Akzeptanz sind das Gemeinsame, ansonsten gehen die Partner eigene, teils auch getrennte Wege.

Die Beziehungen geben emotionale Stabilitat, werden jedoch nicht um jeden Preis aufrechterhalten. Für die Arbeitseinteilung liegen keine festen Zuweisungen vor, im Zweifelsfall wird eine Putzfrau genommen oder es wird eine Lebensform wie Living-apart-together gewahlt. Es kommt oft zu Konflikten und Spannungen, da die Entwicklungsschritte nicht immer bei beiden analog verlaufen, doch die gegenseitige Akzeptanz hilft den Paaren bei der Bewaltigung der Krisen.

Lebensziel "gemeinsamer Weg"

Die Beziehung zur Partnerin oder zum Partner steht dabei im Vordergrund. Der eine Partner passt sich so gut es geht den Vorstellungen und Planen des anderen an. Dieses scheinbar speziell weibliche Lebensziel war auch bei den befragten Mannern in gleicher Haufigkeit vertreten.

Lebensziel "Aufrechterhalten des Status quo"

Die Vorstellungen beziehen sich vor allem darauf, dass alles so bleiben soll wie es ist. Es besteht eine groSse Zufriedenheit mit der bestehenden Situation, Wünsche nach Veranderung werden nicht geauSsert. Es gibt keine klaren Zukunftsperspektiven, weder individuell noch bezogen auf die Partnerschaft, Familiengründung oder Beruf. Moglicherweise auftretende Langeweile wird bewusst in Kauf genommen.

Lebensziel "Suche nach Orientierung"

Aufgrund ungünstiger Lebenssituationen geht es in erster Linie darum, den Alltag überhaupt zu bewaltigen. Eine aktive Zielsetzung oder Lebensplanung, individuell oder auf die Partnerschaft bezogen, erfolgt nicht. Meist ziehen sich Partner mit diesem Lebensziel gegenseitig an. So blockiert einer den anderen und die Schwierigkeiten potenzieren sich.

Bei Paaren mit dem gleichen Lebensziel kam es im Untersuchungszeitraum bis auf eine Ausnahme nicht zu Trennungen. Es gab zwar Konflikte und Krisen, die Grundlage der gemeinsamen Beziehung wurde jedoch nie in Frage gestellt. Gleiche Lebensthemen scheinen Abstimmungsprozesse in Paarbeziehungen zu erleichtern.

Anders verlief es bei Paaren mit diskrepanten Lebensziel. Diesen Paaren gelang es in keinem Fall, einen Kompromiss zwischen ihren unterschiedlichen Vorstellungen zu finden. Hier prallten zwei verschiedene Welten aufeinander.

Eine Ausnahme stellt das Lebensziel "gemeinsamer Weg" dar, das eine Kombination mit einem anderen Lebensziel voraussetzt. Erfolgreich waren dabei Beziehungen zu Partnern mit den Themen "Beruf" und "Familie". Zu einer Trennung kam es mit einem Partner, der den "eigenen Weg" verfolgte.

Lebensziel konnen laut Keddi somit erklaren, warum manche Paarbeziehungen Bestand haben und andere wieder nicht. Konflikte in Partnerschaften lediglich auf das Geschlechtsverhaltnis zurückzuführen sei auf jeden Fall zu einseitig. Der Weg zum Glück in einer Beziehung ist oft beschwerlich.

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